Im Gespräch

Warum unser Unternehmen? – So antwortest du überzeugend

Warum unser Unternehmen?

Was hinter der Frage steckt

„Warum bewerben Sie sich bei uns?“ ist die Frage, bei der die meisten Azubi-Bewerber einbrechen. Nicht weil sie schwer wäre, sondern weil die ehrliche Antwort bei vielen lautet: weil ihr eine Stelle ausgeschrieben habt und in der Nähe seid.

Der Ausbilder weiß das. Er fragt trotzdem, und zwar aus einem handfesten Grund: Er will abschätzen, ob du bleibst. Eine Ausbildung, die im ersten Jahr abgebrochen wird, kostet den Betrieb Geld und Ausbildungszeit, die niemand zurückbekommt. Wer sich bewusst für diesen Betrieb entschieden hat, springt seltener ab als jemand, der zwanzig gleichlautende Bewerbungen verschickt hat.

Die Frage prüft also weniger deine Begeisterung als deinen Aufwand. Und Aufwand ist etwas, das du vollständig in der Hand hast, im Gegensatz zu deinen Noten.

Warum die üblichen Ratgeber hier nicht weiterhelfen

Fast alle Tipps zu dieser Frage setzen ein Unternehmen voraus, das eine Karriereseite hat, ein Leitbild veröffentlicht, Pressemitteilungen herausgibt und auf LinkedIn aktiv ist. Also einen Konzern.

Nur bildet die Mehrheit der Azubis nicht im Konzern aus. Der typische Ausbildungsbetrieb im Handwerk hat weniger als zwanzig Beschäftigte, keine Personalabteilung und eine Website, die zuletzt vor sechs Jahren angefasst wurde. Es gibt dort kein Employer Branding, das du zitieren könntest. Wer trotzdem versucht, „die Unternehmenswerte“ zu loben, erfindet etwas, und das hört der Chef, der die Firma selbst aufgebaut hat, innerhalb eines Satzes.

Bei kleinen Betrieben recherchierst du deshalb anders. Nicht schlechter, nur anders.

Recherche bei kleinen Betrieben

Hier liegen die Informationen nicht auf einer „Über uns“-Seite, sondern verstreut. Fünf Quellen, die fast immer etwas hergeben:

Die Stellenanzeige selbst. Der am meisten unterschätzte Text. Wer sie zweimal liest, findet fast immer etwas Konkretes: welche Aufgaben genannt werden, ob von „Team“ oder „Familienbetrieb“ die Rede ist, ob Weiterbildung erwähnt wird. Wenn dort steht, dass eigenständiges Arbeiten wichtig ist, hast du deinen Anknüpfungspunkt.

Google Maps und Bewertungen. Was schreiben Kunden über den Betrieb? Wenn zwanzig Leute loben, dass gut erklärt wird oder dass Termine gehalten werden, ist das ein echter Befund über die Arbeitsweise. Genau darauf kannst du dich beziehen.

Hingehen. Der stärkste Zug überhaupt und der am seltensten genutzte. Geh vorbei, schau dir an, wie es aussieht, wer dort arbeitet, wie mit Kunden geredet wird. Zwei Sätze im Gespräch, die zeigen, dass du physisch dort warst, schlagen jede Website-Recherche.

Instagram und Facebook. Viele kleine Betriebe posten sporadisch Bilder von Projekten, von neuen Maschinen, vom Azubi-Abschluss. Das ist Material: eine abgeschlossene Baustelle, ein Umbau, ein Jubiläum.

Die Lehrstellenbörsen der Kammern. Über den Lehrstellen-Radar des Handwerks und die Börsen der Industrie- und Handelskammern findest du oft zusätzliche Angaben zum Betrieb, die in der Anzeige selbst fehlen.

Menschen fragen. Kennt jemand in deinem Umfeld den Betrieb, war dort Kunde oder hat dort gearbeitet? In kleineren Orten führt dieser Weg fast immer zu etwas.

Recherche bei größeren Arbeitgebern

Bei Konzernen, Behörden und Kliniken ist das Problem umgekehrt: Es gibt zu viel Material, und alles davon ist Hochglanz.

Such deshalb gezielt nach dem, was mit deiner Ausbildung zu tun hat, nicht nach dem Unternehmen insgesamt. Wie ist die Ausbildung organisiert, gibt es Abteilungsdurchläufe, eine eigene Lehrwerkstatt, Azubi-Projekte, Auslandsaufenthalte, eine Übernahmequote? Erfahrungsberichte von Azubis auf der Karriereseite sind dafür brauchbar, auch wenn sie geschönt sind, weil sie den Ablauf beschreiben.

Ein Standort- oder Abteilungsbezug wirkt konkreter als das Unternehmen als Ganzes. „Weil Sie ein großer Arbeitgeber sind“ ist keine Antwort. „Weil hier am Standort die Instandhaltung sitzt und ich mich dafür interessiere“ ist eine.

Recherche bei Praxen, Kliniken und Behörden

Arztpraxen und Zahnarztpraxen funktionieren wie kleine Betriebe, mit einer Besonderheit: Du warst dort möglicherweise selbst Patient. Das ist ein legitimer und starker Anknüpfungspunkt, solange du beim Personal bleibst und nicht bei deiner Behandlung. Wie Praxen mit Angst umgehen, wie der Empfang organisiert ist, ob es Sprechstunden für bestimmte Gruppen gibt: alles brauchbar.

Behörden kannst du kaum über Sympathie begründen, und das erwartet auch niemand. Dort zählen Aufgabenbereich und Sicherheit. Wer sagt, dass ihn der konkrete Bereich interessiert, etwa Bürgerbüro, Bauamt oder Sozialleistungen, und dass ihm eine geregelte, langfristige Perspektive wichtig ist, gibt eine passende Antwort. Der Wunsch nach Sicherheit ist hier kein Makel.

Der Aufbau einer guten Antwort

Laut Bundesagentur für Arbeit besteht eine überzeugende Antwort aus drei Teilen, und diese Reihenfolge funktioniert in der Praxis gut:

  1. Konkreter Bezug zum Betrieb. Was hast du herausgefunden? Ein Punkt genügt, wenn er nachprüfbar ist.
  2. Verbindung zu dir. Warum passt genau das zu dem, was du suchst?
  3. Blick nach vorn. Was erhoffst du dir für die Ausbildung?

Der zweite Teil entscheidet. Viele Bewerber nennen eine Tatsache über den Betrieb und hören dann auf. Erst die Verbindung zu dir macht daraus eine Antwort, denn sonst hast du nur vorgelesen, was auf der Website steht.

Rechne mit vierzig bis sechzig Sekunden. Länger wird es zur Rede.

Beispiel: kleiner Handwerksbetrieb

„Ich war im Februar einmal hier, um zu fragen, ob Sie ausbilden, und habe eine halbe Stunde in der Werkstatt gewartet. Was mir aufgefallen ist: Der Geselle hat dem Kunden am Fahrzeug erklärt, was gemacht werden muss, statt es nur aufzuschreiben. So möchte ich auch arbeiten, weil ich verstehen will, was ich tue, und nicht nur abarbeiten. Und in einem Betrieb dieser Größe komme ich, glaube ich, schneller an richtige Arbeit als in einer großen Werkstatt.“

Beispiel: Industriebetrieb

„Mich hat überzeugt, dass die Azubis hier laut Ihrer Ausbildungsseite die ersten anderthalb Jahre durch mehrere Abteilungen gehen. Ich weiß noch nicht sicher, welcher Bereich mir am besten liegt, und finde es gut, das im Betrieb herauszufinden statt vorher raten zu müssen. Dass Sie eine eigene Lehrwerkstatt haben, war für mich auch ein Punkt, weil man dann Fehler machen darf, ohne dass gleich die Produktion steht.“

Beispiel: Arztpraxis

„Ich bin selbst seit Jahren Patientin hier und habe gemerkt, dass am Empfang immer jemand ruhig bleibt, auch wenn das Wartezimmer voll ist. Genau das stelle ich mir schwierig vor und würde es gern lernen. Außerdem habe ich gesehen, dass Sie viele ältere Patienten haben, und ich komme mit älteren Menschen gut zurecht, weil ich meine Großmutter regelmäßig begleite.“

Deine Recherche in eine Antwort verwandeln

Der KI-Interviewer stellt dir die Frage nach dem Unternehmen und hakt nach, wie es ein Ausbilder tun würde. So merkst du, ob dein Punkt trägt oder auswendig klingt.

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Was du nicht sagen solltest

  • „Weil Sie in der Nähe sind.“ Als einziger Grund zu wenig. Als Ergänzung am Ende völlig in Ordnung, denn ein kurzer Arbeitsweg ist für Betriebe ein Plus, gerade bei Schichtbeginn um sieben.
  • „Wegen der guten Bezahlung.“ Verständlich, aber als Hauptgrund riskant, weil es andeutet, dass du für fünfzig Euro mehr wechselst.
  • „Weil Sie der einzige Betrieb waren, der geantwortet hat.“ Ehrlich und trotzdem nicht aussprechbar.
  • Allgemeinplätze wie „Sie sind ein modernes Unternehmen mit gutem Ruf.“ Passt auf jeden Betrieb und zeigt damit, dass du dich nicht vorbereitet hast.
  • Etwas Erfundenes. Wenn du ein Projekt lobst, das der Betrieb nie gemacht hat, ist das Gespräch praktisch beendet. Bei kleinen Firmen kennt der Chef jeden Auftrag persönlich.

Wenn du wirklich nichts findest

Manche Betriebe haben keine Website, keine Bewertungen und keine Social-Media-Präsenz. Dann ist Ehrlichkeit die beste Variante, und zwar in dieser Form: Sag, was du gesucht hast, und dreh die Frage um.

„Ehrlich gesagt habe ich wenig über Sie gefunden, außer der Anzeige und ein paar Bewertungen. Was mich überzeugt hat, war die Anzeige selbst, weil dort steht, dass man vom ersten Jahr an mit auf die Baustelle kommt. Ich hätte aber eine Frage: Wie läuft das erste Jahr bei Ihnen konkret ab?“

Das wirkt aus zwei Gründen: Du gibst zu, was du weißt und was nicht, statt zu bluffen, und du zeigst Interesse durch eine echte Frage. Mehr dazu im Artikel Eigene Fragen stellen.

Rechne mit der Nachfrage

Wenn deine Antwort gut war, kommt fast immer eine Rückfrage. Typisch: „Und was, wenn Sie feststellen, dass Ihnen der Beruf doch nicht liegt?“ oder „Haben Sie sich noch woanders beworben?“

Beide sind harmlos, wenn du vorbereitet bist. Bei der ersten hilft ein Verweis darauf, dass du dich informiert hast, im besten Fall über ein Praktikum. Bei der zweiten ist Ehrlichkeit richtig: Mehrere Bewerbungen sind normal, und der Ausbilder weiß das ohnehin.

Diese Frage gehört zu den zehn typischen Fragen und hängt eng mit deiner Berufswahl zusammen. Es lohnt sich, beide Antworten aufeinander abzustimmen, weil sie oft direkt nacheinander kommen. Passt zusätzlich noch die Seite zu deinem Beruf ins Bild, etwa Kfz-Mechatroniker oder Kaufmann im Einzelhandel, wirkt das Gespräch aus einem Guss.

Übe deine Antwort

Die Frage nach dem Unternehmen ist eine der häufigsten im Gespräch. Mit vorstell.bar übst du, wie du deine Recherche in eine überzeugende Antwort verwandelst, ohne auswendig gelernt zu klingen.

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Quellen & Weiterführendes

  1. So bewirbst du dich auf eine Ausbildung | Bundesagentur für Arbeit
    Offiziell Bundesagentur für Arbeit Abgerufen am
  2. Lehrstelle finden: Lehrstellen-Radar | Das Handwerk
    Offiziell Deutscher Handwerkskammertag Abgerufen am
  3. Employer Branding – Wikipedia
    Wikipedia Wikipedia Abgerufen am